Geschichte der Lender-Bibliothek
Die „Villa Benz” aus dem Jahre 1907 gehört zu den historischen Gebäuden der Heimschule Lender. Sie war 1907 bezugsfertig und sie muss damals aufgrund ihrer luxuriösen Bauweise für Aufsehen gesorgt haben. „Die hohen Zimmer und die repräsentative Diele, ebenso der überdachte Eingang mit vorspringendem Balkon entsprachen dem etwas protzigen Stil der damaligen Zeit”, schreibt der ehemalige Schulleiter Werner Guldenfels in seiner Chronik. Doch die Villa war nach außen hin mehr Schein als Sein, denn die leichte Bauweise leitete die Geräusche von einem Zimmer in das andere und auch der Boden musste schon bald nach Fertigstellung saniert werden.
- Dem Bau der Villa hatte Franz Xaver Lender ...
nur mit größtem Widerwillen zugestimmt, denn Direktor Hermann Schindler benötigte eine Wohnung und der Schulgründer wollte es sich mit dem Kollegen nach aufgekommenen „Funkstörungen” nicht noch weiter verscherzen. Hinzu kam, dass einige Jahre zuvor die Schul- und Internatsgebäude um einige Baumaßnahmen erweitert wurden und Lender keine Lust mehr hatte, weiter zu bauen und Geld auszugeben. „Nach meinem Tod könnt ihr bauen, wie ihr wollt, aber ihr müsst auch zahlen”.
Jedenfalls wurde die Villa gebaut und der Direktor zog mit seinen beiden Schwestern ein, auch eine „Zugehfrau” arbeitete im Haushalt mit. Lender verlangte keine Miete, wohl aber musste der Direktor im Obergeschoss mehrere wohlhabende Schüler mit Vollpension aufnehmen. Dies führte zu der Kritik, dass durch dieses bevorzugte Wohnen im Internat zu sehr die sozialen Unterschiede deutlich wurden. Es ist auch überliefert, dass Direktor Schindler in der Schweiz einen gewissen Eugenio Pacelli kennen lernte und ihn zu sich nach Sasbach einlud. Der hohe Gast wurde später zum Papst gewählt und nannte sich Pius XII.
- Ihren Namen hat die Villa von Direktor Wilhelm Benz ...
… der zu Beginn des Schuljahres 1938/40 wohl aufgrund seiner staatlichen Examen als einziger Priester an der Lender bleiben durfte, alle anderen mussten auf Druck der „Partei” die Schule verlassen. Zur religiösen Betreuung der Schüler gehörte damals das Angebot, dass die „Lenderbuben” Bücher ausleihen können. Doch als die Partei plante, auch in der Lenderschen Schulbibliothek nach „anrüchigen” Büchern zu suchen, ließ Benz eine große Anzahl von Büchern mit dem Stempel „Bibl.(thek)Benz” versehen und damit als „sein” Eigentum kennzeichnen. Jungsasbacher, die nach dem Krieg mit dieser Bezeichnung nichts mehr anfangen konnten, gaben daher Direktor Benz den Übernamen „Bibel Benz”. Da auch dieser Direktor noch in dem Gebäude wohnte, bekam es den Namen „Villa Benz”. Auf Initiative von Schulleiter Karlheinz Ott wurde im Jahre 1988 in dem historischen Schmuckstück eine Schulbibliothek mit Lese- und Arbeitszimmern eingerichtet.
- Im Jahr 2010 ...
… erfolgte zuletzt eine umfassende Sanierung des Gebäudes mit einem Volumen von 120.000 Euro. Ein Teil der Maßnahme umfasst eine energetische Sanierung des Gebäudes vor allem im Bereich des Dachgeschosses, hier werden auch in verschiedenen Räumen die Dachschrägen zurück gebaut. Dies dient ebenso zur besseren Nutzung der Zimmer, wie der Einbau einer Dachgaube. Die Elektrik wird so ergänzt, dass in allen Räumen ein Arbeiten mit EDV möglich ist. In verschiedenen Räumen und im Treppenhaus werden die Böden so überarbeitet, dass die alte Dielung freigelegt und erhalten beziehungsweise ein neuer Holzbelag eingebaut wird. Weitere Maßnahmen umfassen den Rückbau von vier Schornsteinen oder die Erneuerung von Türblättern. Das Geld der Altsasbacher wurde für die Innenausstattung und Möblierung verwendet, damit die Schüler in einer noch schöneren Atmosphäre lesen, arbeiten und Bücher ausleihen können.