Zusammenhalt & Füreinander – Altsasbachertage 2024

2024 10 Lender Gymnasium Altsasbacher Altsasbachertage (24)
„Wenn wir keinen Unterricht hatten, haben wir gelesen, sind spazieren gegangen oder haben Fußball gespielt“. Viel mehr Alternativen gab es für Hermann Ihle (94) und seine Klassenkameraden nicht, als sie in den Nachkriegsjahren die Heimschule Lender besuchten, im Internat lebten und auch außerhalb des Unterrichtes einige Studierzeiten den Tag über hatten. „Wir saßen eigentlich immer auf den gleichen Bänken“, erzählte Hermann Ihle, der bei den Altsasbachertagen der älteste Jubilar war und wie 200 weiter Ehemalige wie so oft nach Sasbach kam. „Das hier ist meine Schule, hier habe ich viel gelernt“, meinte der Jubilar, der 1949 erfolgreich ein Abitur bestand. Auch wenn es im Internat „etwas streng“ zuging, die freie Zeit sehr begrenzt war und Wörter wie Handy, Tablet und Computer noch nicht einmal existieren, Hermann Ihle war gerne an der Lender und dies zeigte er mit seinem Besuch. Deshalb war es für den zweiten Vorsitzenden der Altsasbacher, Adrian Keller, und Schulleiter Marco Cataldo, eine sehr große Freude, den 75er Jubilar an „seiner“ alten Schule zu begrüßen.
Dass seit über 100 Jahren Altsasbachertage stattfinden, jetzt wieder über 200 Abitur-Jubilare kamen und fast 7.000 Ehemalige der Vereinigung der Altsasbacher mit deren Vorsitzenden Oberbürgermeister Manuel Tabor angehören, hat seinen Grund im „Lendergeist“. Wer und was dies ist, „übersetzte“ Pfarrer Klemens Armbruster vom Abijahrgang 1979 beim Festgottesdienst mit Begriffen wie „Gemeinschaft, Zusammenhalt und Füreinander“, was er während seiner Sasbacher Zeit im Seminar St. Pirmin erleben durfte und ihn wesentlich prägte. Deshalb empfand er es als sehr wichtig, nach langer Zeit an diesen Ort zurückzukommen, die Klassenkameraden zu treffen und sich an diesen besonderen Geist zu erinnern. Er wurde im Mitschüler Robert konkret, der sich mit dem Lernen schwer tat, ein Jahr vor dem Abitur keine gute Perspektive hatte und dank der kräftigen Unterstützung seiner Mitschüler dann doch die Prüfung schaffte. So wurden viele Erinnerungen lebendig und Erfahrungen ausgetauscht, es wurde in zwei Gottesdiensten (Schülerseelsorger Gabriel Breite und Kerstin Charenton) auch an die verstorbenen Schüler und Lehrer erinnert und Gott für alles Gute gedankt, was Lenderschüler seit 1875 in Sasbach auch durch das „Band der Verbundenheit zwischen Alt- und Jungsasbachern“ wie durch die Berufs- und Studienmesse zum Altsasbachertag und das Jahr über durch viele finanzielle Impulse für den Schulalltag erfahren durften. Der Abiturient von 1979, Oliver Hauss, Oberst im Generalstab a.D., hielt eine sehr tiefgehende, nachdenkliche und wichtige Festrede zum Thema „Christliche Ethik und Soldat – ein Widerspruch?“
„Die Altsasbacher stehen für eine Verbindung über Generationen hinweg und für Werte wie Freundschaft und Unterstützung“. Dies betonte Manuel Tabor, der wie sein Stellvertreter Adrian Keller und alle Vorstandsmitglieder unter der Leitung des Stellvertretenden Bürgermeisters Günter Dußmann einstimmig gewählt wurden. Damit bleibt die Kontinuität an der Spitze der Vereinigung gewahrt, die 2023 einige Mittel bereitstellte, um den Schulalltag über das normale Geschehen hinaus zu bereichern, die Schrift „Der Sasbacher“ herauszugeben und das 150. Lender-Jubiläum mitvorzubereiten. Dafür bedankte sich der neue Schulleiter Marco Cataldo bei den Altsasbachern, die über ihre finanzielle Unterstützung hinaus für ein „reiches kulturelle und soziale Kapital“ sorgen, das Schülern und Lehrern im Lebensraum Schule zur Verfügung stehe. Manche würden dies als „Lendergeist“ bezeichnen, so Cataldo, der in diesem Zusammenhang auch das Besondere einer Schule in kirchlicher Trägerschaft herausstellte, die dieses „Kapital“ im Kontext des christlichen Glaubens vermitteln und die Schüler zu einer bewussten Auseinandersetzung anregen. Deshalb werde der Leitspruch von Franz Xaver Lender „Initium Sapientiae Timor Domini“ – „Der Anfang der Weisheit ist die Ehrfurcht vor Gott“ im Jubiläumsjahr in den Mittelpunkt des Reflektierens über das pädagogischen Wirkens gestellt werden.
Wie die musikalische Kultur an der Lender klingt, durften die Gäste beim Festakt mit dem großen Sinfonischen Blasorchester unter der Leitung von Jürgen Bruder genießen. Das war eine geradezu virtuose Glanzleistung der Lenderschüler, die mit niveauvoller Literatur und einem facettenreichen Klangbild die Altsasbacher begeisterten. Beim Festgottesdienest sorgte die Schüler vom Musikprofil 10 ebenfalls mit Jürgen Bruder für eine sehe lebendig „Musica Sacra“, die mit einem wundervollen Segenslied die Altsasbacher verabschiedete.
Text & Fotos: Roland Spether