Vortrag „Über Grenzen und Mauern“

2025 01 Lender Gymnasium Geo Vortrag über Mauern (1)
Am 30. Januar besuchte Dr. Lukas Schmitt (Theologische Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) die Lender, um einen Vortrag „Über Grenzen und Mauern“ für den Abiturjahrgang und weitere interessierte Klassen zu halten. Im Vortrag wurde ein Panorama gegenwärtiger Grenzpolitiken skizziert, das sich als äußerst komplex erwies. Es ging weniger um fertige Antworten, sondern vielmehr um eine Problemdiagnose, wobei zahlreiche Fragen aufgeworfen wurden. Am Ende wurde gemeinsam über die möglichen Schlüsse nachgedacht, die aus diesen Überlegungen gezogen werden können.
Eine zentrale Frage war, was eigentlich eine Grenze ist. Grenzen im Völkerrecht umgeben den territorialen Raum eines Staates, sowohl an Land als auch auf See innerhalb der Zwölf-Meilen-Zone. Diese Grenzen sind nicht einfach physische Linien, sondern unterliegen einem historischen und politischen Kontext, der sich im Laufe der Zeit verändert. Besonders in der Kolonialzeit wurden oft willkürliche Grenzziehungen vorgenommen, die bis heute nachwirken.
Es wurde deutlich, dass die Vorstellung von Grenzen als statische Linien überholt ist. In der globalisierten Welt ist die Kontrolle über Grenzen kein absolutes Merkmal staatlicher Souveränität mehr. Die Realität zeigt, dass Grenzpolitik zunehmend transnational gestaltet wird, wobei die Überwachung und Sicherung von Grenzen nicht mehr nur an festen Orten entlang einer Linie stattfindet, sondern an verschiedenen Orten innerhalb eines Grenzraums. Flüchtlingsabkommen und Migrationspartnerschaften verlagern die Grenzsicherung sogar von der physischen Grenze weg, sodass die Auswirkungen europäischer Grenzpolitik oft schon weit entfernt von den tatsächlichen Außengrenzen zu spüren sind.
Abschließend wurde betont, dass die Überwindung von Grenzen nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch der Perspektive ist. Während einige Menschen durch ihren Reisepass visumfreies Reisen genießen, sind andere gezwungen, gefährliche Fluchtwege zu nehmen. In einer globalisierten Welt gewinnen Grenzen an Bedeutung und dienen als Sortiermaschinen, die nicht nur die Bewegungen von Menschen steuern, sondern auch die Ressourcen und Möglichkeiten innerhalb und außerhalb von Staaten beeinflussen.
Zum Abschluss ein Zitat, welches im Vortrag besprochen wurde und welches deutlich macht, dass es keine einfachen Antworten auf die Frage nach Grenzen und Migration gibt:
„In den Augen Gottes ist ein Kind auf der anderen Seite der Grenze nicht weniger der Liebe
und des Mitgefühls würdig als mein eigenes Kind. 
Wir können nicht zwischen ihnen in Bezug auf ihren Wert und die ihnen innewohnende Würde unterscheiden,
und beide verdienen Schutz und Liebe, Bildung und Chancen. 
Wir sind jedoch auch Staatsoberhäupter und tragen Verantwortung gegenüber den Bürgern und Menschen innerhalb unserer Grenzen.
Und wir verfügen über endliche Ressourcen.
Und so ist es meines Erachtens Teil der Aufgabe von Regierungen, Menschlichkeit und
Mitgefühl und Solidarität mit den Bedürftigen zum Ausdruck zu bringen,
aber auch anzuerkennen, dass wir innerhalb der gesetzlichen und institutionellen Zwänge
sowie der Verpflichtungen handeln müssen,
die wir gegenüber den Bürgern der Länder haben, denen wir dienen.
Und das ist nicht immer einfach.
Diese Dinge tun wir nicht nur aus Nächstenliebe, nicht nur, weil es das Richtige ist, oder aus Freundlichkeit,
sondern auch, weil wir uns in dieser neuen Welt, in der wir leben, nicht isolieren können,
weil wir uns nicht hinter einer Mauer verstecken können.“
Barack Obama in einer Diskussion mit Angela Merkel am Brandenburger Tor (2017)
Text: Lucretia Schmidt
Bilder: Nevio Graf & Anonym (9w2)