Vernissage an der Lender im Okt 2024

2024 102024 10 Lender Gymnasium Altsasbacher Vernissage (1)
Wer ist die geheimnisvolle Frau auf den Fotografien von Juliane Wende, die in einem Schrank kauert, sich hinter einem Mantel versteckt oder schemenhaft durch ein Hotelzimmer huscht? Diese und viele andere kreative Arbeiten sind derzeit in der Schulgalerie der Heimschule Lender in Sasbach zu sehen, werfen beim Betrachten einige Fragen auf und dies ist ganz im Sinne der Künstlerin. „Ihre Bilder bieten Freiräume, diese als Bühne für die eigenen Gedanken und Geschichten zu nutzen, sich darauf einzulassen, sich fallen zulassen und sich darin zu verlieren“. Dies betonte Lucretia Schmidt von der Fachschaft Kunst bei der Vernissage im Rahmen der Altsasbachertage, die Arbeiten der Abiturientin von 1983  sind im Verwaltungsgebäude zu sehen. Für die feinen musikalischen Klangfarben sorgten Solveig Sonntag, Felia Conrad und Arthur Vygen, während sich Fachleiterin Svenja Bohnert bei der Künstlerin und den Altsasbachern bedankte.
Das Geheimnis um die Frau löste Lucretia Schmidt in ihrer Betrachtung der Hotel-Serie. Es ist Juliane Wende selbst, die dazu aber nicht die Selfie-Technik anwendet oder die Bilder mit einem elektronischen Fernauslöser perfekt inszeniert. Vielmehr startet sie den Selbstauslöser ihrer Kamera, springt dann sekundenschnell in das Bild und macht so eine echte Momentaufnahme, bei der sie bewusst auf die Unschärfe ihrer Person setzt. Manche der Bilder sind zufällig entstanden, manche mitten in der Nacht, weil sich da eine andere Perspektive eröffnete oder weil genau in dem Moment das leuchtende Blau des Duschvorhangs zu einem Foto motivierte. „Juliane Wende weiß intuitiv: Dieses Bild, das sich mir zeigt, will ich fotografisch festhalten.“ Es entstanden so „atmosphärische, stimmungsvolle und oft auch ruhigen Bilder und Stillleben, deren Narration in leisen Details lebt“. Angesprochen wurde das „auf dem Bett drapierte Kleid, dessen Kragenmuster scheinbar zufällig zur geblümten Bettdecke passt oder auch eine Wäscheleine, die quer durchs Zimmer gespannt ist“. So entstanden „Momentaufnahmen einer fast schon performativen Auseinandersetzung der Künstlerin mit dem Raum“ wobei die Bilder mal nachdenklich wirken, mal verspielt oder fast schon skurril. Deshalb schwanken sie nach Schmidt zwischen präziser Inszenierung und situativem Spiel, wobei sie bewusst Raum für eigene Gedanken und Interpretationen der Betrachter lassen.
Text & Fotos: Roland Spether
P.S.: Dass Juliane Wende einmal in „ihrer“ alten Schule eine Ausstellung machen kann, hätte sie sich vor über 40 Jahren auch nicht träumen lassen.