„Sehr geehrte Jury, heute spielen wir ohne Dirigenten“, meinte die Cellistin Felia Conrad, als sie beim Internationalen Händel-Wettbewerb in Karlsruhe das Barockorchester des Lender-Gymnasiums vorstellte. Doch die Schülerin fügte gleich hinzu: „Unser Orchesterleiter Ulrich Noss hat uns im Vorfeld intensiv vorbereitet und uns dabei unterstützt, dieses Programm einzuüben.“ Dies hat dann so gut funktioniert, dass das Orchester in der Tradition des Barock ohne Dirigenten und nach einem glänzenden Vorspiel mit einem der Hauptpreise bedacht wurde, so dass die „Händel-Festspiele“ am Lender-Gymnasium gleich nach den Weihnachtsferien weiter gingen. Denn seit 2003 beteiligt sich Ulrich Noss mit Formationen sehr erfolgreich an diesem bedeutenden Jugendwettbewerb, der einmalig in Deutschland ist, sich ausschließlich der Barockmusik widmet und international ausgeschrieben wurde. Der Jugend-Wettbewerb wird von der Händel-Gesellschaft in Karlsruhe ausgerichtet, die Badischen Neuesten Nachrichten gehören wie das Badische Staatstheater und die Hochschule für Musik Karlsruhe zu deren Partner und sind jeweils durch eine Person in der Jury vertreten.
„Nicht jeder Teilnehmer hat einen Preis bekommen! Wir schon! Immerhin als einziges Schulorchester in Baden-Württemberg“, so die Bewertung von Ulrich Noss, der auf „seine“ Musikerinnen und Musiker mächtig stolz war. Zwar kehrte das Barockorchester nicht mit dem 1. Preis zurück, wohl aber mit einem 3. Hauptpreis, über den sich alle sehr freuten und Bestätigung der niveauvollen Präsentation fast „ohne“ Dirigent war. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass sich Schüler mit der Musik von Georg Friedrich Händel (1685-1759) auseinandersetzen, außerhalb des Unterrichtes viel miteinander üben und mit dem Barock-Experten Ulrich Noss stilgerecht, nuanciert und virtuos die Literatur erarbeiten. Dies ist den musikalischen Lender-Schülern nach Auffassung der Fachjuroren bestens geglückt und deshalb wurde eine Preisträger-Tradition am „Musik-Gymnasium Lender“ fortgesetzt.
Der Wettbewerbsbeitrag war das Rondeau aus der „Spielmusik zum Trauerspiel“ von Henry Purcell. Das Hauptwerk war dann das Cellokonzert in d-Moll von Antonio Vivaldi in allen drei Sätzen, das die Vielgestaltigkeit der Barockmusik von lyrischen bis hin zu tänzerischen Elementen symbolisiert. Mit virtuosem Spiel glänzte Felia Conrad, die auf ihrem Cello den Solopart spielte. Den Abschluss bildet die Arie für Sopran „He shall feed his flock“ in B-Dur aus Händels „Messias“ mit der Solistin Nora Kromer, die sehr einfühlsam die innige, fast tröstende Seite des Barocks darbot. Bei allen Stücken spielte Nick Wlasow sehr versiert das Cembalo. Musikalisch geht es an der Lender weiter am 30. Januar, ab 18 Uhr, mit einem Konzert mit doppeltem Genuss. Denn neben dem Konzert „Apéritif Culturel“ wird auch der „Lender musiziert Preis“ ausgelobt.
Text: Roland Spether
Fotos: Ralf Schmid





