St. Martin – Teilen und Feiern am Lender-Gymnasium

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Dass Martin von Tours vor über 1.600 Jahren einen armen Bettler sah, sein Pferd anhielt und mit dem Armen seinen Mantel teilte, hat der Chronisten Sulpicius Severus (363 – 420) schriftlich überliefert. In dem Bericht ist allerdings nichts von Apfelmus, Spaghetti und Schokoriegel die Rede, die allerdings vor dem Altar in der Heimkirche in Fülle aufgetürmt waren. Denn die Sextaner des Lender-Gymnasiums brachten zum Martinstag hunderte von Lebensmitteln mit und legten sie während des Gottesdienstes mit Kerstin Charenton vor den Altar der Heimkirche, bevor diese die Religionslehrer Manuel Barale und Sabine Detzer als den ganz persönlichen „Martins-Mantel“ der Sextaner zur Tafel in Bühl bringen. Diese besondere Aktion der Nächstenliebe gehört schon seit einigen Jahren zum guten Martins-Brauch, den die Kollegen der 5. Klassen mit ihren Schülerinnen und Schülern durchführen. Die Sextaner brachten so viele Lebensmittel mit, dass Manuel Barale eine große „Martins-Kutsche“ mit einigen Helfern für den Transport benötigt.  
Am Lender-Gymnasium ist es eine gute und lange Tradition, das am Jahrestag (11. November) dieses unvergesslichen Heiligen „Sankt Martin“ (Emilia Cappel) auf den Campus reitet, die Elftklässler des Beruflichen Gymnasiums die Sextaner mit Laternen begleiteten und junge Bläser (Leiter Jürgen Bruder) die alt vertrauten Martinslieder anstimmen. Die Pferde „Hermes“ und „Sunny“ brachte Helene Wahl mit. Beide unterstützten sich auf ungewohntem Parcours bestens und die Schüler durften ein doppeltes „Martins-Pferd“ erleben. Den frierenden Bettler spielte Robin Serr und die Mantelteilung war jene Szene, die Martin weltberühmt und unsterblich machte. Denn er ist das Vorbild des Teilens schlechthin, was auch im Gottesdienst in den Texten und Gebeten deutlich wurde und durch das schöne Spiel der Musiker (Leiter Jürgen Bruder) zum Klingen kam.
Dass der Martin bis heute bekannt ist, unzählige Kinder, Familien und Großeltern sich mit Laternen auf den Weg machen und den Martinstag feiern, belegt eindrucksvoll, wie wichtig es ist, keinen großen Bogen um Menschen in Not zu machen. Dies war Martin nicht in die Wiege gelegt, der Sohn eines Militärtribuns war und schon mit 15 Jahren zum Militär musste. Unter Kaiser Konstantin II. diente er in dessen Garde, die durch ihre weißen Uniformmäntel den Namen „das weiße Heer“ führte. Um 354 soll sich vor den Toren der französischen Stadt Amiens das ereignet haben, was ihn unsterblich machte und was der Chronist überliefert. Der stolze Gardereiter hatte Erbarmen mit einem Bettler, teilte seinen Mantel mit einem Schwert in zwei Hälften und gab eine dem Armen. Manche Quellen berichten, dass Martin durch die mutwillige Beschädigung militärischen Eigentums mächtig Ärger bekam. Der Legende nach soll ihm Jesus in der Nacht mit dem geteilten Mantelstück erschienen sein. Nach dieser Erfahrung quittierte er mit 18 Jahren den Militärdienst und reiste zu Bischof Hilarius nach Poitiers, um sich taufen und im Glauben unterweisen zu lassen. Er wurde Einsiedler, doch seine Großherzigkeit und Frömmigkeit war im Volk so geachtet, dass ihn die Bürger von Tours 371 zum Bischof erwählten. Auf einer Pastoralreise stirbt der Freund der Armen am 8. November 397 in Candes, sein Begräbnis am 11. November wurde durch unzählige Trauernde zu einem großen Zeichen der Nächstenliebe. So schreibt der Chronist:  „Martinus, arm, demütig und bescheiden, geht reich in den Himmel ein.“
Text und Fotos: Roland Spether