„Nächstes Jahr in Jerusalem!“ Dieser alte, jüdische Wunsch steht in hebräische Schrift auf dem Schalom-Video, das Schüler des Lender-Gymnasiums produzierten, darin viel Hoffnung auf ein Wiedersehen mit den Freunden des Leyada-Gymnasiums in Jerusalem zum Klingen bringen und im Schein der Kerzen des christlichen Weihnachtsfestes und des jüdischen Lichterfestes Chanukka eine tiefe Verbundenheit ausdrücken möchten. „Schalom für unsere lieben Freunde in Jerusalem“, wünscht die Lender-Schülerin Felia Conrad allen im Leyada-Gymnasium, ihre Austauschpartnerin Tamar Mangoubi ergänzt in einer Videosequenz den Friedenswunsch auf Hebräisch mit „Schalom für uns alle auf der ganzen Welt.“ Diese Wünsche sind im Video klangschön umrahmt vom Lender-Leyada-Projektchor und vom Streichorchester (Leitung Ulrich Noss), mit Klezmer-Musik und viel Sehnsucht nach Frieden.
„Wir müssen weiter Brücken bauen, zwischen Menschen in Israel und in Deutschland, zwischen Juden und Christen“, meinte Abraham Steinberg beim Projekt-Finale im März 2023. Seit 2007 begleitet er die Partnerschaft, plant mit dem Lender-Gymnasium Reisen von Schülern und Eltern nach Israel und gehört wie die Verantwortlichen Ulrich Noss, Adrian Keller, Svenja Bohnert, Ulrike Keller sowie die Mitbegründerin Doris Uhlig zu den Brückenbauern eines einmaligen Modells der deutsch-israelischen Begegnung und Freundschaft.
Das letzte Treffen fand im März 2023 statt und die damalige Schulleiterin Petra Dollhofer bezeichnete es als ein „ganz starkes Zeichen“, dass der Lehrer Ishai Loeb mit an die Lender kam, dessen Vater Ehud Loeb 1934 als Herbert Odenheimer in Bühl zur Welt kam und 1940 mit seinen Eltern nach Gurs deportiert wurde. Während Ehud Loeb aus dem Lager gerettet wurde, bei Familien aufwuchs und den Holocaust überlebte, wurden seine Mutter am 4. und sein Vater am 7. September 1942 in Auschwitz ermordet. Die Deportation und Ermordung jüdischer Menschen durch die Nazi-Diktatur markierte auch den Beginn der Partnerschaft, als Lenderschüler analog des Buches „Aus Hoffenheim deportiert“ der Brüder Fred und Menachem Mayer ein Musik-Theater schrieben, damit den renommierte Viktor-Klemperer Preis (10.000 Euro) gewannen und Laura Wehle bei der Preisverleihung die Moderatorin Maybrit Illner vor laufenden ZDF-Kameras mit der Aussage überraschte: „Wir fahren nicht nach Prag, wir versuchen das Geld für die Israelreise zu benutzen”. Noch am selben Abend gab es erste Kontakte mit Joel Lion, dem Vertreter Israels in Deutschland, sowie eine Einladung nach Berlin, um das Projekt auf Initiative der israelischen Botschaft und in Zusammenarbeit mit der Deutsch–Israelischen Gesellschaft und dem Zentralrat der Juden aufzuführen. Im Mai 2007 reisten dann 50 Schüler mit Doris Uhlig und Ulrich Noss, Abraham Steinberg knüpfte die entscheidenden Kontakte und es gab Aufführungen in Tel Aviv und Jerusalem. Danach fanden 13. Projekte abwechselnd in Sasbach und in Jerusalem statt und das 14. Projekt 2024 war schon in Planung, doch der brutalen Überfall der Hamas-Terroristen aus dem Gaza-Streifen und der dann folgende kriegerische Konflikt verhinderten die Reise. Doch die Kontakte bestehen weiterhin. Im Schuljahr 2026/27 sollen wieder Schüler aus Jerusalem kommen und dann hoffen die Lenderschüler, was Schulleiter Marco Cataldo im Video verspricht: „Sobald es wieder geht, werden wir euch besuchen und ich werde dabei sein.“
Text/Foto: Roland Spether
Infos zum Video:
Leyada & Lender = Hope
Projektchor: That`s what friends are for
Grußworte von Schulleiter Marco Cataldo
Streichorchester: Schpil-she mir a Lidele, Tumbalalaika, Oifn Pripetschik
Gedanken von Felia Conrad vom Lender-Gymnasium zum Lender-Leyada-Projekt
Gedanken von Tamar Mangoubi vom Leyada-Gymnasium
Projektchor: That`s what friends are for
Teilnehmer der Video-Produktion:
Lender-Leyada-Projektchor
Streichorchester unter Leitung von Uli Noss
Flöte: Claudius Spinner
Klavier: Uli Noss, Nick Wlasow
Video: von Roland Spether und Ferdinand Obermann
Das Gymnasium „Leyada“ in Jerusalem ist ein sechsjähriges Gymnasium, das säkular, experimentell und akademisch geprägt ist. Es liegt direkt neben der Hebräischen Universität „Tichon Scheleyad Ha’Universita“, in Reichweite der Knesset und des Außenministeriums. Es wurde 1935 für die Eliten der Aschkenasim (Juden aus Europa) gegründet, wobei heute über 100 Lehrer mehr als 100 Schülerinnen und Schüler unterrichten. Die Schule hat sich zu einem führenden Gymnasium in Israel entwickelt, aus dem Nobelpreisträger wie David Kahnemann (2002 für Wirtschaft), David Gross (2004 für Physik) sowie Schriftsteller wie Meir Shalev und David Grossman hervor gingen.




