Musik und Religion im Waldklassenzimmer

Lender Gymnasium Waldklassenzimmer Musik (1)
Wenn „Eine Handvolle Erde“ von interessanten Rhythmusinstrumenten begleitet durch den sonnigen Wald schallt und der Tag mit einem Segen endet, dann haben die 5. Klassen im Unterricht in den Fächern Musik und Religion die Natur als Schöpfung auf vielfältige Weise erlebt.
Nach einer zum Teil schon ohrwurmverdächtigen Busfahrt hinauf zur Hundseck ist für die Kinder auch in diesem Modul das Anfangsritual am Baum der Start in den Waldklassenzimmertag. Zur Ruhe zu kommen, einmal nur auf den eigenen Atem und dann in den Wald hinein zu hören waren die ersten Aufgaben, die Frau Wienk-Borgert, Frau Krämer oder Frau Scherzinger den Schüler*innen stellten.
Die Musiklehrer*innen Frau Krämer, Frau Scherzinger, Herr Bieringer und Herr Noss hatten die drei Musikstunden im Wald vor allem dem Thema „Hören“ gewidmet. Eine kurze Reflexion über die Geräusche, die am Baum zu hören waren, brachte zutage, dass wohltuende Geräusche wie Vogelzwitschern, Bachplätschern, Windrauschen, Ästeknacken und Blätterrascheln zu hören waren, aber auch im Wald eher fremde, unerwartete und störende Geräusche von Flugzeugen, Motoren, Autos, Motorräder und Sägen.
Dann wurden die Kinder aktiv: Sie sollten Gegenstände, die sie im Wald fanden, mit einem eigenen Rhythmus zum Klingen bringen. Für die Suche gab es 10 Minuten Zeit. Alle fanden sich danach im Kreis wieder ein und jeder durfte sein Instrument mit seinem Rhythmus vorführen. Ein ganzes Orchester aus großen oder kleinen Baumstämmen, Klangholzzweigen, Fichtenzapfen- oder Rindengurken, Steintrommeln, Palettenpauken und Kieselsteinrasseln übernahm die Rhythmusvorgaben und setzte sie auf Einsatzzeichen von Frau Krämer oder Frau Scherzinger dynamisch zusammen. Laute und leise Klänge entstanden, dazwischen wurden einzelne Grashalme wirkungsvoll gepfiffen, das Einzählen auf 4 und der Schlussakkord wurden geübt.
Nun war erst einmal Pause. Frisch gestärkt stand die erste Schwierigkeit auf dem Programm: Das Lied „Eine Handvoll Erde“ sollte gesungen und dazu gleichzeitig einen passenden Rhythmus geschlagen werden. Frau Krämer und Frau Scherzinger sangen die Kinder zunächst mit Tonklängen aus der Natur ein: Da summte eine Mücke, brummte eine Hummel, sang der Kuckuck in verschiedenen Tonhöhen und flog die Eule mit verschiedenen „Huhus“ über die WESO-Wiese. Das recht anspruchsvolle Lied mit seinen drei Strophen verlangte volle Konzentration. Es galt aufeinander zu hören, zu singen, den Text zu verstehen und die Melodie mit dem eigenen Instrument und Rhythmus zu begleiten. Dies gelang dank der Erarbeitung durch Frau Krämer und Frau Scherzinger in jeder Klasse ganz wunderbar.
In einer weiteren Aufgabe durften die Kinder in Gruppen ein eigenes „Hörmemory“ herstellen. Ausgerüstet mit Filmdöschen sollten kleine „Geräuschemacher“ in der Natur gesucht werden und exakt gleiche Materialien hineingefüllt werden. Da konnten feine Unterschiede zwischen den Füllungen aus Fichtennadeln und Zapfenschuppen, kleinen Steinen, Ästchen oder auch gemischten Inhalten genau gehört und möglichst angeglichen werden. Eine Hörkontrolle bei den Expert*innen bestätigte dann das jeweilige Geräuschepaar. Dann gab es Zeit, ein oder zwei Memories der anderen Gruppen auszuprobieren und zu spielen. Die Musikeinheit endete in einer erneuten Liedprobe mit der dann auch die zwischenzeitlich eingetroffenen Religionslehrer*innen, Frau Kreuz und Herr Schricke oder Frau Schmidt-Ehreiser und Frau Teuffel herzlich begrüßt wurden.
Nach der Mittagspause begann der Religionsunterricht an der kleinen Quelle auf dem WESO-Gelände mit einer Fantasiereise zur Entstehung der SchöpfungHerausfordernde Impulsfragen zur biblischen Schöpfungsgeschichte und zum wissenschaftlichen Verständnis der Entstehung von Erde, Pflanzen, Tieren und Menschen führte zu manch tiefen Gedankengängen der Kinder zum Thema „Schöpfung“.
Dass Gott die Erde geschaffen hat, sah, dass es „gut“ war und den Menschen hierfür Verantwortung übertragen hat, war der Kern der nachfolgenden Aufgabe, mit der sich die Kinder an Stationen beschäftigen konnten. Der „Kreuzweg der Schöpfung“, ein Parcours aus verschiedenen Roll up -Stationen, den die Religionslehrer*innen von der „Kirche im Nationalpark“ entliehen hatten, zog in eindrücklichen Texten und mit Bildern aus dem Schwarzwald die Parallele zum Leiden Jesu. So wird die Schöpfung als ursprünglich gelungenes Werk Gottes von Menschen verletzt, verachtet und letztendlich zerstört. Den Menschen trifft dies als Teil dieser Schöpfung wieder in seiner Abhängigkeit von den Prozessen der Natur.
Die Kinder konnten sich an den Stationen z.B. in einen Baum hineindenken, der dem Klimawandel nicht trotzen kann, konnten seine mögliche Klage schreiben und in Fürbitten ihre konkreten Wünsche festhalten. Auf die Frage, was sie empfinden, wenn sie an die Zerstörung der Schöpfung denken, wurden berührende Antworten gefunden. All ihre Gedanken, Gefühle und Klagen sollten sie aufschreiben und mit einem Gegenstand, der sie zum Staunen über die Natur anregt, wieder mit in die Gemeinschaft bringen.
Ein Gottesdienst bildete den Abschluss und nahm alle Gedanken, Wünsche, Bitten, Sorgen und Hoffnungen auf. Das Lied „Eine Handvoll Erde“, die Schöpfungsgeschichte und der bestaunenswerte Gegenstand bildeten den Beginn der kleinen Feier im Kreis auf der Wiese unter den alten Bäumen. Blumen, Wurzeln, Gras, Steine und stellvertretend für die Bäume auch Zweige oder Rinde wurden auf ein Tuch in die Mitte gelegt, die Assoziationen zum Wunder der Schöpfung dazu ausgesprochen. Dann folgten die tiefen Sorgen und Gedanken der Kinder, die sie sich um den Zustand der Natur, aber auch um ihre Zukunft machen. Gefühle wie Traurigkeit, Wut und Angst wurden ausgesprochen, die Anklage eines Baumes von vielen Kindern sehr eindrücklich vorgetragen. Zu den Worten, die so in den Kreis vor Gott gebracht werden konnten, kamen dann die Fürbitten, die manche Kinder als Aufforderung an sich selbst und die Erwachsenen formulierten. Auch die Bitte um Frieden und einen freundlichen Umgang der Menschen miteinander fanden hier ihren Platz. Aus Naturmaterial gestaltete Kreuze, eine der Aufgaben an einer Station, als Symbol für das Leiden, aber auch für die Hoffnung wurden betrachtet und reflektiert. Der Gottesdienst endete mit dem Versprechen jedes Kindes, was es zur Erhaltung der Schöpfung beitragen möchte. Da wurde geäußert, mehr mit dem Fahrrad zu fahren oder mit dem Bus, weniger einzukaufen – damit nichts weggeworfen werden muss – Dinge mehrfach zu verwenden, weniger Fleisch zu essen und vor allem weniger Plastikmüll zu produzieren. Ein Segen, der besonders die Wahrnehmung der Schönheit der Schöpfung mit allen Sinnen ansprach, schloss den Kreis zum Musikmodul und beendete den Tag im Waldklassenzimmer.
Ein herzliches Dankeschön an alle beteiligten Lehrkräfte für diesen wunderbaren Tag und auch an Ruben Eisele, der als FSJ´ler das Waldklassenzimmer nicht nur in dieser Woche kräftig unterstützte.
Text & Fotos: Sibylle Wienk-Borgert