Nominiert für Jugendorchesterpreis 24/25

2025 04 Lender Gymnasium Musik Jugendorchesterpreis (27)

Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit! Die Rufe der jungen Lender-Revolutionäre aus den Reihen des Orchesters klangen vor dem Hintergrund aktueller Konflikte wie die beste Botschaft der Welt, als es bei einem einmaligen Projekt um Franz Xaver Lender und „Die Würde des Menschen“ ging. Denn die war damals zur Zeit des jungen Lender um 1848 genauso bedroht wie sie heute in vielen Ländern ist, so dass diese für den Deutschen Jugendorchester-Preis nominierte Aufführung inhaltlich, musikalisch und szenisch auch ein Plädoyer für die Würde des Menschen in all ihren Facetten war. Denn „Am Anfang der Weisheit steht die Ehrfurcht vor Gott und vor der Würde jedes Menschen“, betonte der frühere Internatsrektor Gerhard Brock beim Theaterspiel und ergänzte das Leitwort Lenders. Denn der Respekt vor der Würde jedes Menschen ist ein bleibender Auftrag seit 1875 über Generationen hinweg, was sich wie ein „roter Faden“ durch die famose Aufführung des von Schülern eigenständig entwickelten Projektes mit einer originellen und variationsreichen Musik- und Zeitreise durch 150 Jahre Lender-Geschichte zog.

„Es war ein brillantes Projekt“, schwärmte Ulrich Noss, der wie bei früheren Projekten den Schülern bei der Auswahl der Musikstücke und der Inszenierung freie Hand ließ, aber als Experte jederzeit für die Schüler ansprechbar war und die sorgsam ausgewählten und anspruchsvollen Werke mit dem Sinfonieorchester einstudierte.
„Du liebst Musik, spielst ein Instrument und kannst neue Ideen entwickeln, um Musik lebendig auf die Bühne zu bringen?“ Die Schülerinnen Felia Conrad, Rahel Herrlich, Fanny Krämer und  Johanna Münchenberg nahmen diese Einladung des Deutsche Jugendorchesterpreises von „Jeunesses Musicales“ an, bildeten mit Musiklehrer Ulrich Noss eine Orga-Team und starteten ein einzigartiges Projekt, das über acht Monate hinweg neben dem Unterricht lief. Die Vorgabe des Wettbewerbes lauteten, von der Idee bis zur Aufführung schlichtweg alles selbst auf die Beine zu stellen, sich erfahrene Partner an die Seite zu stellen und Sinfonieorchester, Jugendchor, Schauspieler, Zeitzeugen sowie Arbeitsgemeinschaften für das Bühnenbild, die Kostüme und die Veranstaltungstechnik zu motivieren und einzubinden.

Die organisatorischen, kreativen und inhaltlichen Fäden liefen bei Felia Conrad zusammen, die auch das Skript schrieb und mit Clara Kachel voller Ideen, sehr versiert und mit viel Herzblut Regie führte. Darüber hinaus waren viele Schüler, Lehrer und Altsasbacher beteiligt, die Kostüm-, Bühnenbild- und Veranstaltungstechnik-AG´s, der Jugendchor (Leitung Christine Alshut) und besonders das Sinfonieorchester, das den Hauptpart spielte und dazu sein breites Repertoire an Möglichkeiten mit Werken von Bizet, Schubert und Grieg präsentierte. Diese waren so ausgewählt, um die Zeit von Franz Xaver Lender (1830 – 1913) zum Klingen zu bringen und etwa mit dem „Heckerlied“ der 1848er Revolutionäre und dem „Badnerlied“ im Landtages auch deutlich zu machen, dass Lendermusiker auch Qualitäten als Männerchor und Blasorchester haben. So war die Musik das leitende Element des Projektes und des glänzend disponierten Orchesters, das bei den „Carmen-Suiten“ das imposante Klangbild eines sinfonischen Orchesters darbot und bei dem „Ave Maria“ (Solistin Nora Kromer) mit dem Jugendchor sehr einfühlsam die Trauer über den Tod Lenders einfing. Herzbewegend war die Szene mit der Aufnahme der Kinder in das von Lender gegründete Waisenhaus, als der Jugendchor Lieder aus dem Film „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ sang, denen der Lehrer im Film wie Lender in Schwarzach ein würdevolles Leben eröffnete. Dieser unermüdliche Einsatz Lenders für Kinder, Bildung, Gerechtigkeit und Lebenschancen wurde entlang des Stückes sehr gut inszeniert und mit Zeitzeugen und Fotos unterlegt, bevor der rasante „Can Can“ vom Jaques Offenbach mit groovy Techno-Sound das 150. Jubiläum einläutete und Musiker, Schauspieler und Gäste fröhlich tanzte.

Text: Roland Spether
Fotos: Felicitas Conrad, Eberhard Schreiber und Roland Spether