Ein Wochenende voller Musik, Worte und unvergesslicher Begegnungen
Es gibt Orte, die eine besondere Magie ausstrahlen. Schloss Weikersheim ist einer davon. Ein Ort, an dem Musik nicht nur gespielt, sondern gelebt wird. Ein Ort, an dem junge Musikerinnen und Musiker zusammenkommen, um sich auszutauschen, zu lernen und zu wachsen. Und genau hier durfte ich als frisch ernannte JM-Botschafterin ein Wochenende verbringen, das mich nachhaltig geprägt hat.
Musik verbindet: Die Idee hinter der Tätigkeit als JM-Botschafter
Ich heiße Felia Conrad, besuche die Lender in Sasbach und spiele im Streich- und Sinfonieorchester der Schule. Seit Mai 2025 bin ich gemeinsam mit Rahel Herrlich JM-Botschafterin für unser Orchester – eine besondere Aufgabe, mit der wir das Orchesterleben aktiv mitgestalten dürfen.
Alles begann mit einer Einladung – eine Chance, an einem Coaching teilzunehmen, das sich mit dem Sprechen und Auftreten vor Publikum beschäftigte.
Vor dem Orchester stehen und mit den richtigen Worten genau das sagen, was man mitteilen möchte und das trotz Adrenalinkick. Diese Fähigkeiten haben mich schon immer interessiert. Fähigkeiten, die für Musikerinnen und Musiker ebenso wichtig sind, wie das Beherrschen ihres Instruments. Denn was nützt die schönste Musik, wenn die Worte davor nicht die gleiche Kraft besitzen?
Bevor ich von diesem Wochenende berichte, möchte ich kurz erklären, was JM-Botschafterinnen eigentlich sind: JM Botschafterinnen sind engagierte junge Mitglieder von Jugendorchestern, die sich besonders für ihr Orchester und die Gemeinschaft der Jeunesses Musicales Deutschland (JMD) einsetzen. Die JMD ist ein Netzwerk für junge Musikerinnen in Deutschland, das über 300 Jugendorchester verbindet. Wer eine Botschafterin ist, trägt Verantwortung – nicht im klassischen Sinn, sondern im besten Sinne des Wortes: Man wird Verbindungsglied. Zwischen dem eigenen Orchester und über 300 anderen in ganz Deutschland. Zwischen neuen Ideen, Angeboten und der Realität der Probenräume. Zwischen der Vision einer großen musikalischen Gemeinschaft und dem Alltag im Schulorchester.
Vom 23.05. bis zum 25.05.2025 fand das erste Coaching-Wochenende für uns neuen Botschafterinnen und Botschafter statt – eben jenes ganz besondere Wochenende, von dem ich hier erzähle.
Freitagabend 23.05.2025, Ankunft in Weikersheim. Ich war gespannt, neugierig – und ein wenig nervös. Ich kannte niemanden außer Juliane, die ich über das JM Buddy Programm kennengelernt hatte. Doch meine Sorgen verflogen schnell. Die Begrüßung mit den anderen Teilnehmern, die aus ganz Deutschland kamen, war herzlich, die Atmosphäre offen und voller Vorfreude.
Nach dem ersten Kennenlernen ging es direkt los: Ein Battle zwischen zwei Gruppen, die in kürzester Zeit ein Begrüßungsritual für neue Botschafter entwickeln sollten. Kreativität war gefragt – und die Ideen sprudelten nur so. Dann folgte die feierliche Übergabe unserer Botschafter-Urkunden und der neuen JM-Pullis, die wir das ganze Wochenende stolz trugen.
Später erkundeten wir Schloss Weikersheim – ein Ort, der seit Jahrzehnten der Musik gewidmet ist. Die Jeunesses Musicales Deutschland betreibt hier eine der größten Musikakademien des Landes. Die Atmosphäre war einzigartig: Überall erklangen Melodien, Stimmen, Lachen. Es war, als würde das Schloss selbst Musik atmen.
Im Schloss angekommen, begaben wir uns in den Keller, um ein paar Runden Billard zu spielen. Dort trafen wir zum ersten Mal an diesem Wochenende auf Mitglieder eines anderen Orchesters, das zeitgleich mit uns vor Ort war. Schnell kamen wir ins Gespräch, tauschten uns aus und genossen gemeinsame Partien voller Spaß. Auch unsere Dozenten waren stets mit von der Partie – offen für jeden Scherz, voller Unterstützung und immer mit einem offenen Ohr für uns. Sie halfen, ermutigten und begleiteten uns das gesamte Wochenende mit Rat und Tat.
Der nächste Morgen begann mit einem Warm-up und wir wurden direkt aufgefordert, ein Stück vorzuspielen oder eine Poesie vorzutragen – und sich dabei selbst anzumoderieren. Eine Herausforderung, die uns alle ins kalte Wasser warf.
Ich war zutiefst beeindruckt von dem außergewöhnlichen Talenten der anderen. Die musikalische Qualität erreichte ein beeindruckendes Niveau, und auch die Anmoderationen zeichneten sich durch eine unglaubliche Authentizität und Kreativität aus – selbst wenn wir dabei improvisieren mussten. Doch wie wir im Laufe des Workshops gelernt haben, ist genau das ein wesentlicher Bestandteil des Musikerlebens. Wir analysierten unsere Auftritte, beschäftigten uns mit Linguistik und Intonation, übten den perfekten Umgang mit dem Mikrofon und besprachen verschiedene Moderationsinhalte. Die Vielseitigkeit der Möglichkeiten wurde uns immer bewusster – von Zitaten über persönliche Erfahrungen bis hin zu Sachinformationen.
Anschließend bekamen wir an diesem Nachmittag erneut die Aufgabe unser Moderationskünste unter Beweis zu stellen. Wir suchten uns im Schlossgarten einen Gegenstand, um eine Moderation zu gestalten. Ich entschied mich für das sanfte Plätschern des zentralen Brunnens – eine beruhigende, fast meditative Atmosphäre.
Nach langer Zeit des Wanderns durch den Schlossgarten lauschten wir Moderationen über kunstvolle Statuen und prächtige Blumen. Dabei verloren wir uns in Gedanken über die kleinen, unscheinbaren Dinge des Lebens – jene, die oft übersehen werden, aber dennoch unsere Aufmerksamkeit und Wertschätzung verdienen.
Dann absolvierten wir noch einen Workshop, der sich gezielt mit dem Körper beschäftigte. Dabei erhielten wir wertvolle Impulse, wie sich Probenpausen sinnvoll füllen lassen – sei es, um das Orchester zu motivieren oder einfach gemeinsam Spaß zu haben.
Nach dem Abendessen wurden wir erneut mit der Aufgabe vom Morgen konfrontiert: Ein Stück vortragen und uns selbst anmoderieren. Doch diesmal gab es einen entscheidenden Unterschied – wir hatten Zeit, uns gezielt und effektiv vorzubereiten.
Bei der abschließenden Aufführung, die wir auch filmten, war die Verbesserung unübersehbar. Unser Dozent Frida zeigte sich sichtlich zufrieden, und sein Stolz war nicht zu übersehen. Kein Wunder, denn er hatte uns mit zahlreichen wertvollen Tipps und seiner unermüdlichen Unterstützung weit vorangebracht.
Der letzte Abend brachte eine unerwartete Wendung: Wir begaben wir uns in den Schlosskeller, wo bereits ein Seniorenchor mit voller Begeisterung zu ABBA-Songs sang und tanzte. Mit ansteckender Lebensfreude wirbelten sie durch den Raum und ohne lange zu überlegen, schlossen wir uns ihnen an. Was folgte, war eine ausgelassene Party, bei dem Musik aus den 70ern nahtlos in wilde Techno-Beats überging. Als wir schließlich auch das andere Orchester zum Mittanzen animierten, erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. Es war ein wunderschöner Abend – Menschen aus ganz Deutschland, jung und alt, vereint in grenzenloser Lebensfreude, lautstark mitsingend und tanzend bis tief in die Nacht. Unvergesslich!
Zugegebenermaßen war die Nacht kurz, aber trotz des wenigen Schlafs starteten wir am nächsten Tag voller Motivation in einen neuen Workshop. Mit frischer Energie analysierten wir unsere gefilmten Auftritte, machten Warm-ups und übten mit Eifer weiter.
Jeder erhielt am Ende einen Umschlag mit seinem Namen darauf – eine wundervolle Geste, die das gesamte Wochenende perfekt widerspiegelte. Jeder hatte den anderen kleine Nachrichten, gefüllt mit Feedback, Lob und Anerkennung geschrieben, die in diesen Umschlägen gesammelt wurden. Eine tolle Idee, die genauso durchdacht und herzlich war wie alles an diesem Wochenende.
Man spürte in jeder einzelnen Begegnung, wie viel Herzblut die Veranstalter in dieses Projekt gesteckt haben. Mit beeindruckender Hingabe und unermüdlicher Mühe sorgten sie dafür, dass wir ein unvergessliches Wochenende erleben durften.
Ein großes Dankeschön an Frieder Kümmerer, Lisa Sohm und Lena Meiertoberend – für ihre Leidenschaft, ihre Unterstützung und die inspirierende Art, mit der sie dieses besondere Erlebnis möglich gemacht haben.
Nun, da der Workshop bereits drei Wochen zurückliegt, denke ich noch immer voller Freude an dieses wunderbare Wochenende zurück. Erst gestern hatte ich wieder ein Konzert – ein besonderer Moment, in dem ich mit einer Rede der kürzlich verstorbenen Margot Friedländer gedachte. Dabei kamen mir die Erinnerungen an das Wochenende erneut in den Sinn, und ich erkannte, wie viel Positives ich aus dieser Erfahrung mitnehmen konnte.
Sie haben mich bereichert, inspiriert und nachhaltig geprägt. Einfach einmalig!
Text: Felia Conrad (10d)
Fotos: Jeunesse Musicales Deutschland & Felia Conrad












