Dass Martin von Tours vor über 1.600 Jahren mit dem armen Bettler Nudeln, Biogemüse und Schokolade teilte, wurde von dem Chronisten Sulpicius Severus (363 – 420) über diesen großen Heiligen des Teilens zwar nicht überliefert. Doch die Sextaner der Heimschule Lender brachten zum Martinstag viele verschiedene Lebensmitteln mit und legten sie nach dem Besuch von Sankt Martin auf dem Campus mit Pferd „Hermes“ von Helene Wahl bei einem Gottesdienst vor den Altar der Heimkirche, bevor sie diese als ihren ganz persönlichen „warmen Martins-Mantel“ mit den Tafel in Achern und Bühl teilen. Wie im Vorjahr organisierte Religionslehrer Manuel Barale diese besondere Aktion der Nächstenliebe mit den Kollegen der 5. Klassen. Mit vielen schönen Martinsliedern wurden der Gottesdienst und die Mantelteilung von Jürgen Bruder und seinen Bläsern und dem Musikprofil 10 bestens mitgestaltet. Den Bettler spielte Robin Serr aus der 7c, den Heiligen Martin Emilia Cappel aus der K2, die zur Freude aller mit „Hermes“ über den Campus galoppieren durfte.
Dass der Martin bis heute bekannt ist, unzählige Kinder, Familien und Großeltern sich mit Laternen auf den Weg machen und den Martinstag feiern, belegt eindrucksvoll, wie wichtig es ist, keinen großen Bogen um Menschen in Not zu machen. Dies war Martin nicht in die Wiege gelegt, der Sohn eines Militärtribuns war und schon mit 15 Jahren zum Militär musste. Unter Kaiser Konstantin II. diente er in dessen Garde, die durch ihre weißen Uniformmäntel den Namen „das weiße Heer“ führte. Um 354 soll sich vor den Toren der französischen Stadt Amiens das ereignet haben, was ihn unsterblich machte und was der Chronist überliefert. Der stolze Gardereiter hatte Erbarmen mit einem Bettler, teilte seinen Mantel mit einem Schwert in zwei Hälften und gab eine dem Armen. Manche Quellen berichten, dass Martin durch die mutwilligen Beschädigung militärischen Eigentums mächtig Ärger bekam. Der Legende nach soll ihm Jesus in der Nacht mit dem geteilten Mantelstück erschienen sein. Nach dieser Erfahrung quittierte er mit 18 Jahren den Militärdienst und reiste zu Bischof Hilarius nach Poitiers, um sich taufen und im Glauben unterweisen zu lassen. Er wurde Einsiedler, doch seine Großherzigkeit und Frömmigkeit war im Volk so geachtet, dass ihn die Bürger von Tours 371 zum Bischof erwählten. Auf einer Pastoralreise stirbt der Freund der Armen am 8. November 397 in Candes, sein Begräbnis am 11. November wurde durch unzählige Trauernde zu einem großen Zeichen der Nächstenliebe: „Martinus, arm, demütig und bescheiden, geht reich in den Himmel ein“, so der Chronist.
Text & Bilder: Roland Spether








