Lender-Geschichte
1875 von Franz Xaver Lender gegründet, ist die Lender seit jeher ein lebendiger Ort christlicher Erziehung und Bildung, an dem etwa 1.300 Schülerinnen und Schüler und 130 Lehrkräfte zusammen lernen und arbeiten.
Werteerziehung und umfassender Erwerb fachlicher und methodischer Kompetenzen ergänzen sich. Über 6.000 Mitglieder in der Vereinigung der Altsasbacher beweisen, dass die hohe Identifikation mit der Lender weit über die aktive Schulzeit hinaus trägt. Die Lender strahlt mit all ihren Aktivitäten weit in die Region hinein.
- Pädagogische Slogans wie Output-Steuerung, Evaluation, Kompetenzmodell oder Bildungsmonitoring ...
waren Prälat Dr. Franz Xaver Lender gänzlich fremd, als er 1875 seine Heimschule gründete und aus seiner christlichen und sozialen Grundüberzeugung heraus ein modernes und ganzheitliches Konzept verwirklichte. So darf die Lender inzwischen auf fast 150 Jahre „Ganztagesschule” und auf eine Bildungstradition zurückblicken, die ohne ausgeklügelte politisch-ideologische Bildungsstrategien einen aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen richtigen Weg einschlug und Körper, Seele und Geist in das Lehren und Lernen einbezog.
- „Initium sapientiae, timor domini” – „Der Anfang der Weisheit ist die Ehrfurcht vor Gott”.
Unter diesem Leitwort steht der pädagogische Anspruch der Lender in Sasbach, die heute mit 1.300 Schülern zu einer der größten kirchlichen Bildungseinrichtungen in Deutschland gehört. Als Priester und Seelsorger, Politiker und Erzieher war Lender darum bemüht, aus dem Geiste des Evangeliums die Sorgen und Nöte der Menschen seiner Zeit zu sehen und dabei ganz konkret zu helfen. Hierzu gehörte während seiner Sasbacher Zeit die Gründung des „Spar- und Vorschussvereins” (heute Volksbank) im Jahr 1873, um den Menschen nach guter christlicher Soziallehre ein freies und selbst verantwortliches Leben zu ermöglichen, zu dem ganz wesentlich die Schaffung von privatem Eigentum und eine daraus abgeleitete sittliche Mitverantwortung gehörte.
- Die Prinzipien Personalität, Solidarität, Subsidiarität und Gemeinwohl waren die eine Säule seines Konzeptes, der christliche Glaube und eine gute Bildung und Erziehung die anderen.
So gründete er 1875 unter den erschwerten Bedingungen des badischen Kulturkampfes die Heimschule, um verantwortungsbewusste Menschen heranzubilden, die bereit waren, Kirche, Staat und Gesellschaft in christlicher Verantwortung mitzugestalten. Ein Anliegen war auch ihm, den Priesternachwuchs in der Erzdiözese Freiburg zu sichern, nachdem der Staat während des Kulturkampfes die kirchlichen Verantwortlichkeiten und Einrichtungen rigoros beschnitt.
- Hierbei kam dem Metzgersohn seine revolutionäre und kämpferische Grundhaltung zu Hilfe, die er bereits in jungen Jahren während der 48er Revolution öffentlich macht.
Als überzeugter Republikaner setzte er sich für Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie ein und selbst in der Schule hielt er als junger Oberprimaner feurige politische Reden, die nicht ohne Folgen blieben. Denn als er mit der Uniform des Revolutionärs Hecker bekleidet im Konstanzer Gymnasium erschien, wurde er wenige Wochen vor dem Abitur gefeuert. Nach dem Scheitern der Revolution musste Lender in die Schweiz fliehen, wurde steckbrieflich gesucht und nach einer Amnestie kehrte er nach Baden zurück, studierte Theologie und empfing am 10. August 1853 die Priesterweihe. An seiner Pfarrstelle in Schwarzach gründete er ein Waisenhaus oder wie er es nannte, eine „Rettungsanstalt für verwahrloste Kinder”, und am 17. April 1872 trat er die Pfarrstelle in Sasbach an. Zur wirtschaftlichen Stärkung der Bürger gründete er die „Sasbacher Kasse”. Darüber hinaus war er Vorsitzender der Kreisversammlung Baden sowie als Landtags- und Reichstagsabgeordneter der Zentrumspartei bis an sein Lebensende unermüdlich politisch tätig.
- Mit Lateinunterricht im Sasbacher Pfarrhaus und den beiden „Sperlingen” Vikar Karl Fehrenbach und Vikar Alois Oberle, die der Staat vom seelsorgerlichen Dienst aussperrte und wegen ihres Widerstandes einsperrte, begann die Geschichte der Lender.
Nachdem sich langsam die ersten pädagogischen Erfolge einstellten und die Schüler mit den erworbenen Kenntnissen in die Untersekunda des Gymnasiums eintreten konnten, wuchs allmählich die Zahl der Zöglinge. So beherbergte das Pfarrhaus im Jahre 1877 bereits 16 Knaben aus der Raumschaft, die nicht nur unterrichtet, sondern hier auch wohnten und verpflegt wurden. Aufgrund steigender Nachfrage musste Lender im Jahre 1881 die „Zehntscheuer” erwerben und zu einer Schule mit Schülerheim umbauen.
Schon nach einigen Jahren, als auch dieser Bau nicht mehr den Anforderungen genügte, erfolgte im Jahre 1888 die Errichtung des großen Hauptgebäudes an der „Acherner Straße” (heute Bundesstraße 3) und um die Jahrhundertwende hatte die Lender bereits 400 Schüler. Bis in die 70er Jahre war die Schule Lenders eine reine Internatsschule mit 600 „Lenderbuben”, mit Landwirtschaft, Ökonomie, Küche, Krankenvilla, Schwestern-Konvent und einem ganzheitlichen Bildungs- und Erziehungsangebot. Das Seminar „St. Pirmin” als eigenständige schulische Einrichtung wurde 1959 von Erzbischof Dr. Hermann Schäufele gegründet, 1960 eingeweiht und nahm im Schuljahr 2012/13 die letzten neuen Schüler im Kolleg auf. Seit 1990 gibt es aber an der Lender ein dreijähriges Wirtschaftsgymnasium, seit 2012 auch ein Sozialwissenschaftliches Gymnasium SG und das Wirtschaftsgymnasium ab Klasse 8. Diese Bildungsgänge sind echte Erfolgsmodelle und machen einen immer größeren Anteil unserer Gesamtschülerzahl aus.
Die Lender-Geschichte in Videos
… in leicht verdaulichen Häppchen, die in 5 bis 10 Minuten Aspekte oder Personen unserer Schulgeschichte ins Gedächtnis rufen!



